Einführung in den TV-journalismus

Mit bewegten Bildern Geschichten erzählen
Learn MoreZum Forum

Unser „standard-Werk“

SRF-Videokurs

Als Standard-Werk für diesen Kurs dient uns der interaktive Videokurs des SCHWEIZER FERNSEHEN SRF. Der Kurs ist online abrufbar unter dem folgenden Link:

SRF VIDEOKURS

Wichtig:
Um den Kurs ansehen zu können, muss der Browser mit dem Flash-Player ausgerüstet sein. Wer keinen Flash-Player installiert hat, kann ihn hier downloaden:

Adobe Flash Player Installationsprogramm

Die Kursinhalte als pdf

Das Wichtigste aus dem SRF-Kurs in druckbereiter Form: Hier das pdf mit den Zusammenfassungen des SRF-Kurses.

Weiterführende materialien zu kurstag 1

Storytelling mit
bewegten Bildern

Zum Thema „Storytelling“ und Dramaturgie am TV gibt es eine Reihe von weiterführenden Materialien. Hier sind sie:

Philipp Bloom ist ein englischer Kameramann und Filmemacher, der viel Know-How öffentlich teilt. Das Video oben ist der Pilot seiner „Cinematic Masterclass“. Legendär sind auch Blooms Kamera-Tests. Blooms Video sind in englischer Sprache.

Ihr erinnert Euch an diese 5-Minuten lange erste Einstellung im Spielfilm „La La Land“ ? Andri hat recherchiert, die wie die Einstellung gefilmt wurde – herzlichen Dank dafür. Hier das kleine „Making of“.

Ein Videobeitrag von Marcel Anderwert (heute SRF, früher Tele Züri), in dem er seine iPhone-VJ-Ausrüstung erklärt, mit der er von der Reportage bis zur Live-Schalte alles macht.

Weiterführende Materialien zu Kurstag

Schnitt & Montage

Auch zum Thema Schnitt und Montage gibt es eine Reihe von weiterführenden Materialien. Hier sind sie:

Dieser Film (schon etwas älteren Datums) zeigt, wie ein Interview verdichtet und die Bildsprünge mit Zwischenschnitt überbrückt werden.

Ein Beitrag von ARTE zum Thema Schnitt, anhand von prominenten Beispielen aus dem Filmgeschäft.

„The Magic of Film-Editing“ ist eine ausgewachsene Dokumentation in Spielfilmlänge zum Thema Filmschnitt – beginnt beim Stummfilm und endet bei der Oscar-Verleihung.

prüfungsvorbereitung

So läuft die Prüfung ab

In der Prüfung erhältst Du ein Video vorgesetzt, zu dem Du eine professionelle Sendekritik machen musst. Professionell bedeutet: analytisch. Es reicht also nicht, wenn Du erzählst, ob Dir der Beitrag gefällt oder nicht gefällt.

Vielmehr geht es darum, dass Du den Beitrag anhand der verschiedenen Ebenen analysierst, die wir in den Präsenzveranstaltungen besprochen haben. Zum Beispiel kannst Du Dir folgende Fragen stellen:

 

 

  • Wie ist der Beitrag dramaturgisch aufgebaut?
  • Welche Geschichte erzählt er?
  • Sind alle Elemente vorhanden, die es für eine Geschichte braucht? (eine Anfangssituation, eine Endsituation, dazwischen eine Veränderung, welche durch einen Protagonisten herbeigeführt wird, indem er Hindernisse, Konflikte, Schwierigkeiten überwindet? 
  • Falls das Storytelling nicht überzeugt: Wie hätte man den Beitrag anders gestalten können?
  • Handwerklich: Sind klare Fehler zu beboachten wie z.B. Text-Bildscheren? Achsensprünge? Anschlussfehler beim Schnitt? etc.

Beispiele früherer Prüfungen

Mögliche Anmerkungen zur Story?

Story:

  • Die Protagonistin ist vorhanden
  • Es fehlt der Konflikt, dabei gäbe s verschiedene:
    • Anforderungen (gehen können auf glattem Untergrund)
    • Akzeptanz bei den anderen, den jüngeren Models
    • Akzeptanz in ihrem angestammten Anwaltsberuf (wird sie von einem Richter noch ernst genommen mit ihrer neuen Nebenbeschäftigung? – wie erreicht sie das?
  • Vorher / Nachher: Ist nur angetönt: Die Rede ist davon, dass sie zuvor Anwältin & Mutter war – und es scheint, dass Modeln ja nur ein Hobby von ihr ist. Aber ausgearbeitet ist das nicht. Zudem gibt es keinen Bezug zum Konflikt

Fazit:

Es fehlt in dem Portrait praktisch alles, was für eine gute Geschichte notwendig ist. Beziehungsweise: Die Ansätze, die da wären, werden nicht herausgearbeitet.

Mögliche Ansätze wären:

  • Wie ein 60ig-jähriges Model bei den jungen Models Akzeptanz sucht und findet
  • Wie eine Anwältin als Model durchstartet und ihre Glaubwürdigkeit als Juristin behält (oder verliert)?
  • Wie eine 60-jährige Frau die Herausforderungen eines Model-Jobs meistert (gehen können auf glatten Unterlagen, etc.)
Anmerkungen zum Handwerklichen?
  • Die Moderation führt auf einen falschen Pfad. Warum ein blutjunges Model zeigen, das mit der Geschichte nichts zu tun hat.
  • Text-Bild-Schere gleich zu Beginn. Die Bilder dokumentieren weder, dass sie erst seit wenigen Jahren im Geschäft ist, noch dass sie international gefragt ist. – Das hätte man beispielsweise mit Bildern aus Kampagnen von grossen Marken oder mit Photostrecken in Magazinen oder Katalogen zeigen können.
  • Dasselbe gilt, als es um ihre Vermarktung geht. Die Rede ist von der Agentur «Next», man sieht aber eine Personengruppe mit dem Fotografen und dem Model im Zentrum. Die Bilder müssten hier die Agentur von innen oder aussen zeigen, am besten mit Logo oder Schriftzug. Auch als vom Booklet die Rede ist, sieht man nicht ein Booklet, sondern ein iPhone.
  • Und es geht so weiter. Es ist von ihrer Tochter die Sprache, die auf der Strasse angesprochen wurde. Zu sehen ist zwar eine Strasse, aber weder ihre Tochter noch jemand, der sie anspricht.
  • Dasselbe wieder, als von ihrer Tätigkeit als Anwältin die Rede ist. Es gibt kein Bild dazu. Stattdessen zeigt man sie in der Stadt unterwegs mit einer anderen Frau im wohl etwa gleichen Alter, ohne dass aufgelöst wird, um wen es sich dabei handelt.
Mögliche Anmerkungen zur Story?
  • Eine Protagonistin ist vorhanden, und auch ein Antagonist in der Form der Bank oder des Vertreters der Bank
  • Ein Konflikt ist auch vorhanden: Eine Kundin zahlt Geld ein und es wird nicht gutgeschrieben, dazu wird noch behauptet, sie habe einen Automaten kaputt gemacht
  • Eine Anfangs- und eine Endsituation sind vorhanden.
  • Und eine Veränderung ebenfalls: Zu Beginn ist Frau Nogler (zufriedene) Kunden der Raiffeisenbank, am Ende ist sie eine frustrierte Ex-Kundin. 

Fazit:

Der Beitrag erfüllt unsere dramaturgischen Erwartungen an eine Geschichte. Über die Frage, wie die Bank am Ende reagiert, wird ein Spannungsbogen aufgebaut. Dabei helfen die verschiedenen in ihrer Chronologie dargestellten Schritte, die Spannung bis am Ende aufrecht zu erhalten. Der Wendepunkt der Geschichte ist schliesslich, dass sich die Kundin von der Bank abwendet.

Anmerkungen zum Handwerklichen?
  • Ton und Bild stimmen nicht überein. Der Text spricht davon, dass sie das Geld in die Schublade legt, zu sehen ist jedoch ein Bildschirm des Bancomaten.
  • Als Frau Nogler das Bankgebäude verlässt, ist bereits die Rede davon, dass sie eine E-Mail schrieb. Bild und Text passen nicht.
  • Es geht so weiter: Sie packt ihre Tasche aus zum Text, ein Bankmitarbeiter habe sich bei ihr gemeldet.
  • Es ist die Rede davon, dass Frau Nogler empört ist. Man sieht aber ein sehr neutrales Gesicht.
  • Auch am Ende des Beitrags passen die Bilder nicht zum Text. Frau Nogler geht mit den Hunden spazieren, dazu sagt der Text, sie habe ihr Konto bei der Raiffeisen-Bank aufgelöst.
Mögliche Anmerkungen zur Story?
  • Ein Protagonist ist vorhanden mit dem Professor
  • Ein Konflikt ist nicht vorhanden. Es wird zwar von einer Veränderung berichtet, nämlich dass die Forschung dem Kaffee heute positiver gegenübersteht. Diese Veränderung ist aber von keinem Konflikt getrieben, in welchen der Protagonist eingebunden wäre.
  • Der Beitrag handelt nicht eine Geschichte ab, sondern mehrere. Zunächst geht es um die Forschungsresultate einst und heute, dann um den «Cold Brew». Dazu wird die Geschichte wird verwedelt durch Seitenaspekte, die nichts zur Story beitragen – etwa den Grafiken zum Menge des Kaffeekonsums.

Fazit:

Der Beitrag erfüllt unsere dramaturgischen Erwartungen nicht. Es werden Kraut und Rüben durcheinandergemischt und bis am Ende bleibt nicht klar, was eigentlich die Aussage der Geschichte sein soll.

Anmerkungen zum Handwerklichen?
  • Ton und Bild im ersten Teil stimmen gut überein.
  • Die Einführung des Wissenschafters ist falsch. Es wird eine Gruppe von Menschen gezeigt. – Dem Text zufolge müssten das alles Wissenschafter sein. – Sind sie aber nicht, wie wir anschliessend erfahren. Es sind «Leute aus der Kaffeebranche».
  • Im zweiten Teil stimmen Text/Bild nicht überein. Es ist von einem Kühlschrank die Rede, aber keiner zu sehen.
  • Fragwürdig ist auch, ob die Detaileinstellung des Massenspektrometers eine gute Wahl ist: Das Bild zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Anlage.

forum

Fragen & Antworten

Voilà: In diesem Bereich kann man Fragen stellen und Themen diskutieren. Nicht nur, aber natürlich auch zum Prüfung. Unter der Woche werden Fragen innerhalb von maximal 48 Stunden beantwortet. – Also besser nicht bis Freitagabend vor der Prüfung warten…

Forum Prüfungsvorbereitung

[ultimatemember form_id="262"]

Dozenten-Portrait

„Journalismus ist eine Denkhaltung, die man nicht so einfach ablegt“

Patrick Senn ist 50 und seit über 30 Jahren Journalist. „Wenn auch nur noch vereinzelt praktizierender“, wie er sagt. Senn hat jahrelang das Morgenprogramm von SRF1 moderiert, war stellvertretender Moderationschef und hat während drei Jahren als Chefredaktor den Sender „Tele Ostschweiz“ mit aufgebaut. Unterdessen ist er vor allem als Berater tätig und hilft Menschen, Ihre Auftritte vorzubereiten: In den Medien, oder vor anderen Publika. Und ganz gerne auch in Krisensituationen.

 

Im Herzen ist der gebürtige St. Galler allerdings Journalist geblieben. „Das heisst, dass ich immer noch als kritischen Geist betrachte, der gerne hinterfragt und Dingen auf den Grund geht“, erzählt er. Aber geht das, wenn man gleichzeitig als Berater tätig ist?

Ja, findet er. „In meiner Beratertätigkeit geht es entweder darum, mit den Techniken, die auch professionelle Medienmacher benützen, Botschaften zu vermitteln – beispielsweise in einer Präsentation. Da ist reines Handwerk gefragt.“

Aber in der Krisenkommunikation? Wenn Fehler passiert sind, die dann möglichst vertuscht werden sollen? „Viele haben ein ganz falsches Bild von Krisenkommunikation. Dabei geht es zwar schon um Interessen, und konkret darum, die Reputation einer Firma oder einer Person zu wahren. Aber bei der Wahrheit zu bleiben, ist beispielsweise ein ganz wichtiger Grundsatz meiner Arbeit.“ Richtig sei aber, dass es nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit an vollständiger Transparenz gebe, sondern auch die Interessen von Betroffenen. „Und da habe ich keine Mühe, auch mal darauf hinzuweisen, dass persönlichste Details eines Verunfallten vielleicht „eine gute Geschichte“ wären, die betroffene Person das aber nicht möchte.

Gerade für Krisen-Übungen ist Senn auch heute noch Journalist. „Ich erstelle oft für Übungen von Krisenstäben Texte, Radionachrichten oder TV-Filme. „Dadurch bleibe ich auch mit technischen Entwicklungen up-to-date. Denn da ist so einiges geschehen. „Zu meiner Tele Ostschweiz-Zeit filmten wir auf Videobänder und hatten noch einen linearen Schnittplatz – wie man sie heute wohl nur noch im Kommunikationsmuseum findet. Die Kameras waren gefühlte 20 Kilogramm schwer, das Bildformat noch 4:3. Wenn einer erzählte hätte, er wolle mit seinem Telefon einen Beitrag filmen, hätten wir ihn wohl zum Psychiater geschickt.“

Die neuen technischen Möglichkeiten findet der Vater einer sechsjährigen Tochter zwar äusserst interessant, aber auch etwas zweischneidig: „Ich erlebe leider zu oft, dass vor lauter technischem Schnickschnack die Basis verloren geht. Dass nämlich jeder gute Beitrag, und das gilt auch für einen Nachrichtenfilm im TV, eine Geschichte erzählen muss. Wie man aus einem Stoff eine Geschichte machen kann, dieses Wissen fehlt vielen.